München, 16. März 2012. Seit Oktober letzten Jahres diskutieren Experten darüber, wie sich der im Spiegel Online Interview von Google-Forscher Dan Russell geäußerte Ansatz, dass Google künftig selbst kurze Zusammenfassungen als Antworten auf gestellte Fragen geben würde, auswirken könnte. Gegenüber dem Wall Street Journal äußerte Google nun, im Laufe der nächsten Monate mit eigenen Fakten auf Suchanfragen zu antworten. Die neue Technik der “semantischenSuche” nutzt u.a. die Technologie des 2010 übernommenen Spezialisten Freebase und soll bei zehn bis 20 Prozent aller Anfragen eingesetzt werden.

Fakt ist, dass Google als Suchmaschine den Hauptteil seiner Einkünfte aus den bekannten Werbebannern von Google Adwords bezieht. Gleichzeitig ist die Verweildauer auf Google sehr beschränkt, da entweder die Werbebanner oder auch die Suchergebnisse angeklickt werden und man in der Regel schon nach wenigen Sekunden Google verlässt. Sowohl die Verweildauer als auch die Einnahmequelle könnte Google zu seinen Gunsten deutlich ausweiten, wenn die Suchmaschine Antworten auf den eigenen Seiten bietet, wie etwa heute schon z.B. bei “Aktie Commerzbank” oder “Wetter Hamburg”. Sollte Google in dieser Richtung weiter voranschreiten, hätte dies gravierende Auswirkungen auf den Suchmaschinenalgorithmus. SEO und SEM würden neuen Regeln folgen.

Wenn sich die globale Suchmaschine Nr.1 in den “Doktor Allwissend” verwandelt, wer entscheidet dann nach welchen Kriterien darüber, welche Antworten wir auf unsere Fragen erhalten und letztendlich, wie wir die Welt sehen? Bereits heute wird die Sichtweise des Suchenden durch seine “Such-Historie” eingeengt und gefiltert, wenn auch nur relativ. Dazu Russel: ”Die eigentliche Personalisierung ist derzeit sehr schwach: Es geht da nur darum, ob ein Treffer statt auf Position acht auf Position zwei angezeigt wird, weil das zu ihrer vorigen Suchanfrage passt.” Ähnlich sieht es in der Internet-Werbelandschaft aus. Einmal nach Herrensakkos oder iPhone-Zubehör gesucht, tauchen Anzeigen zum Thema noch Wochen später auf, sobald man im Internet unterwegs ist. Die augenscheinliche Objektivität des unendlichen Such-Universums ist dabei, sich zu einer subjektiven Wahrnehmung der Weltsicht zu verändern. Russell rechfertigt sich hierzu: “Jedes Informationsangebot schafft auf seine Art eine solche Filterblase. Zeitungen wählen Nachrichten aus, Bibliotheken wählen Bücher aus, Googles Algorithmen wählen aus, welche Treffer sie zuerst zeigen.” Das ist völlig richtig, wenn der Suchende dies vorher weiss und sich des subjektiven Tunnelblicks bewusst ist.
MarComSo wird die Entwicklungen weiter verfolgen.